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Jul
18

Tag 84 – Montefiascone 16,2 km (ges. 1610,6 km)

Loto, der italienische Pilger, der Richtung Rom sozusagen nach Hause läuft, ging heute morgen schon um 04:00 Uhr los. Er wollte heute noch bis Viterbo , über 30 km, weil ihm die Zeit davonlief. Für solche Entfernungen bin ich mittlerweile nicht mehr zu haben. Muß ich ja auch nicht. Die beiden israelischen Mädels trödelten heute morgen ewig rum, wußten auch nicht so richtig, ob sie überhaupt laufen wollten oder runter zum See. Aber das ist auch keine Alternative für mich. Ich habe mir mittlerweile den Ruhetag aus dem Kopf geschlagen. Was soll ich eigentlich irgendwo einen Tag rumhängen, wo ich so nah am Ziel bin. Dann koste ich mein Luxusproblem doch einfach aus:
90 km in 6 Tagen. Das ist doch wunderbar komfortabel. Lieber Jeden Tag ein bisschen laufen und vorwärts kommen, dafür aber in kleinen Etappen, daß der Rest des Tages zum Entspannen da ist.
Wir verabschiedeten uns also. So ist das Pilgerleben; man sieht sich und trennt sich wieder.
Mittlerweile bin ich ja auf der Via Francigena angekommen, DER berühmte Pilgerweg von Canterbury bis Rom. Es gibt Schilder, es gibt Bücher und Listen mit Unterkunftsmöglichkeiten. So, wie auf dem Jakobsweg. Allerdings wesentlich weniger frequentiert.
Und vielleicht auch nicht so perfekt. Meine erste Anlaufstelle, ein Pfarrhaus, war wieder mal nichts. Keiner da, obwohl hörbar der Fernseher lief…?
Sowas juckt mich mittlerweile nicht mehr. Kurz geärgert und dann weiter den Berg hinauf der

Bei den Benediktinerinnen mit Mama Miracoli

Name der Stadt sagt es ja. Immerhin knapp 600 m liegt das Altstadtzentrum hoch. Hier dann bei den Benediktinerinnen angeklopft, und siehe, die haben gleich mehrere Mehrbettzimmer für Pilger. Ich bin zwar der Einzige, aber so kann man sich sein Bett aussuchen. Abendessen gab’s obendrein (seit 3 Monaten wieder mal Spiegeleier gegessen).
Den Nachmittag hatte ich verschlafen. Nach der Dusche (immer DIE Sensation des Tages) kurz mal hingelegt und eingeschlafen.
Seit ich nun in greifbare Nähe zu meinem Ziel gekommen bin, jetzt sogar unter die magische 100 km grenze, löst sich eine innere Anspannung. Es war bisher immer eine gewisse Disziplin notwendig, jeden Tag sein „Programm“ zu absolvieren, alles auf den einzelnen Pilgertag zu fixieren, gar nicht groß in die Zukunft zu schauen. Jetzt ist alles absehbar: Ein paar Tage noch laufen – und das nicht mehr soviel, sogar langsam zu machen, um nicht zu früh da zu sein. Nicht mal mehr
eine Woche.
Die innere Anspannung der Disziplin löst sich langsam. Eine andere Spannung nimmt zu: die Vorfreude auf die Ankunft. Alles ist jetzt so konkret.
Und über diesen Spannungswechsel merke ich, wie müde, wie kaputt ich bin.
Aber ich will nicht jammern, sondern danken – ich habe es manchmal selber nicht geglaubt:
Bis hierher hat mich Gott gebracht, in seiner großen Güte!
Euch eine gute Nacht!

9 Kommentare

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  1. Jane sagt:

    Liebe Klaus,

    auch ich freue mich für Dich, dass Du Dein Ziel fast erreicht hast!
    Hab Dank für Deine netten Berichte, die meistens ein erfreuliches „oh & ah“ bei mir auslösten – und manches mal ein krauses Stirnrunzeln.
    Es steht da so viel zwischen den Zeilen, was sicherlich noch einige Zeit braucht, bis sich vielen unterschiedlichen Eindrücke bei Dir gesetzt haben.
    Sei Dir gewiss, wir sind alle froh, dass Du ankommen wirst!

    Norddeutsche Grüße von der Elbmündung
    Jane

  2. Gabi und Frank aus Arnstadt sagt:

    Lieber Klaus,
    Es ist war, wenn man ein Ziel erreicht hat, bis hierher hat mich Gott gebracht.
    Da kannst Du sagen Du und unser Herr habt einen langen und vielseitigen Weg gemeinsam gegangen.
    Wir freuen uns für Dich, das Du Sonntag in Rom sein wirst, der ewigen Stadt.
    Wir freuen uns für Dich und alle Brüder, das die Pilgerreise im Schutz unseres Herrn so gut verlief und behütet wurde.
    Lieber Klaus wir danken Dir, das Du das Zeichen für die Einheit der Kirche setzt.

    Herzlichen Gruß Gabi aus Arnstadt.

  3. Gerd u. Ulla Koch sagt:

    Hallo lieber Br. Klaus,heute möchte ich mich auch wieder einmal melden.Wir freuen uns das Du dein Ziel bald erreicht hast. Wir wünschen Dir auf den letzten
    100 km , das Du gut zu Fuß und bei bester Gesundheit ankommen tust. Weiterhin
    alles Gute, sowie ein erfreuliches Wiedersehen mit den Brüdern, viele interesante
    Begebenheiten in Rom und auch bei der Audienz. Bleibt alle Gesund bis bald kommt alle gesund wieder zu Hause an.

    Viele liebe Grüße aus der Heimat , auch von Marion senden Dir Ulla und Fam.

  4. Dr. Uwe Schott sagt:

    Lieber Bruder Klaus,
    bis spätabends noch keine Übernachtungsnachricht? Aber da entdeckte ich das Foto mit den vielen Betten und war teilweise beruhigt; teilweise, weil das ja nach einem Massenlager aussah, wie ich sie aus den Bergen oder bei Kirchentagen in Turnhallen kenne.
    Doch nun Dein fröhlich-zuversichtlicher Bericht: Montefiascone, zwar mit viel monte, aber wenig fiasco; das hast Du Dir jetzt auch verdient.
    Viterbo – Vetralla – Sutri – und dann (blos nicht im Marathon) ans Ziel ?!
    Zu Deiner gelasseneren Gangart passt auch mein heutiger Kalenderspruch zum Tage.
    ‚Man verliert die meiste Zeit damit, dass man Zeit gewinnen will (John Steinbeck)‘

    Herzlichen Dank für Deine schlicht menschlich anrührenden Berichte, – die mehr für die Via Romea bewirken können und mögen als eine großsprecherische Reklame!
    SALVE
    Uwe

  5. BruderKlaus sagt:

    Da ich im Moment Wartezeit habe, d.h. zwar eine Unterkunft in Aussicht (dank der Clarissen von Viterbo), aber noch bis 18:00 Uhr warten muß , danke ich an dieser Stelle wieder Euch Bloglesern , besonders denen, die mir mit Ihern Kommentare mächtig Rückenwind geben!

    Mittlerweile sind über 400 Kommentare eingegangen. Ich habe alle gelesen und mich gefreut. Aber ich kann einfach nicht auf alle einzeln eingehen. Dazu kommen noch ungezählte emails. Vielleicht wünscht sich der ein oder andere eine Ectra-Antwort, aber das ist einfach unmöglich.
    Deshalb danke ich Euch an dieser Stelle nochmals ganz herzlich für Eure Anteilnahme. Denn sie zeigt mir, daß ich wirklich nicht „alleine“ unterwegs bin!

    Ich werde jetzt die Zeit nutzen bis 18 Uhr, meinen nächsten TA-Artikel zu schreiben und dann bin ich gespannt, wo mich Don Alfredo unterbringt. Das erfahrt ihr dann wie immer heute Abend im Blog.
    Herzliche Grüße aus Viterbo und nochmals vielen Dank,
    Br. Klaus

  6. Hans und Dagmar sagt:

    Lieber Klaus, du weißt garnicht wie wir Halberstädter uns freuen-vielen Freunden von mir habe ich von dir erzählt, sie sind alle begeistert- Hochachtung! Alles Gute für die letzten Kilometer…das wünschen dir ganz lieb-Dagmar und Hans….

    VIELEN DANK FÜR DIE WUNDERSCHÖNEN BLOG-KOMMENTARE- DIE VIDIOS UND DIE FOTOS…ES WAR IMMER EINE FREUDE ES ANZUSEHEN!!! GOTT MIT DIR

  7. Phillip sagt:

    Was meinste, wann kommst du ins Ziel? ca. 92,5 sind es noch, zumindest ab Montefiascone… 3-4 Tage?! Sonntag?? Sag mal an 😉

  8. Sabine L. sagt:

    Lieber Bruder Klaus,
    auch Ihr Erlebnisbericht vom gestrigen Tag, war wie immer sehr interessant zu lesen. Man fühlt als Leser förmlich mit, wie glücklich Sie sind, Ihrem Ziel so nahe zu sein.Und dieses Glück teilen Sie ganz gewiß mit allen Bloglesern.Es war eine sehr schöne Zeit, an Ihrer Pilgerwanderung teilhaben zu dürfen mit allen Höhen und Tiefen, die das Leben so mit sich bringen. Das hat es auch so interessant gemacht, wie Sie all diese Situationen gemeistert haben.Für mich als regelmäßiger Leser, wird auf jedem Fall etwas in der Folgezeit nach der Pilgerreise im täglichen Alltag fehlen.Schade, daß es bald vorbei ist.
    Für die letzten Km wünsche ich Ihnen noch flotte Füße, und bei der Ankunft in Rom ein glückliches Wiedersehen mit den Brüdern aus dem Kloster.

  9. Peter sagt:

    Hallo Klaus,da bist Du ja mal wieder sehr gut unter gekommen in Viterbo.Dann lass DIr mal das Abendbrot und das Feierabendbier gut schmecken.
    Alles Gute auf Deinem weiteren Weg nach Rom.
    Peter

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